StartseiteBuchsGeschichte

Bereits bei den alten Römern war Buchs als Formschnittpflanze bekannt und beliebt. Das früheste schriftliche Zeugnis finden wir bei Plinius d.J. (61 - 113 v. Chr.). In seinem Garten gab es bereits stufenweise angepflanzte Buchshecken und aus Buchs geformteTiergestalten. Auch durch Ausgrabungen ist heute bekannt, daß in den römischen Gartenanlagen Buchs in streng architektonischer Form vorhanden war, der durch den Topiarius (daher das englische Wort Topiary) einen extra dafür bestimmten Sklaven, beschnitten wurde.

In den italienischen Renaissancegärten und den französischen Barockgärten fand man Buchs in Form von Heckenwänden und Skulpturen, Gartenräumen und Labyrinthen, in dieser Zeit legte man auch viel Wert auf die Symbolik. Der Knotengarten symbolisierte zum Beispiel die unauflösliche Liebe. Entworfen wurden kunstvolle und komplizierte Buchsbaumbänder, die dem Besucher Trost und Verzauberung spenden sollten.

Neben diesen teilweise sehr komplizierten und verschlungenen Mustern wurden Buchsbaumbänder bereits in den Renaissancegärten als Einfassung für Beete mit heimischen Nutz-, Heil- und Zierpflanzen benutzt. Diese Einfassungen bezeichnet man als Parterre (italienisch partiere = teilen). Das Entwerfen dieser Parterres wurde mit der Malerei verglichen. Die Komposition von eingefassten Beeten sollte wie ein Bild wirken, das durch den Rahmen (= Buchs) an Glanz gewinnt

Im Barock wird der Nutzgarten ausgegliedert, es entsteht der reine "Lustgarten". Symbolik ist nicht mehr "in", Dekoration ist angesagt. Im Barockgarten finden wir die so genannten Buchsarabesken (= Ornamente), zwischen farblich abgesetztem Kies oder Sand. Auch wenn die Heckenornamente anstelle von farbigem Sand oder Kies mit bunten Blumen gefüllt sind, dienen diese nur der reinen Dekoration.

Der wohl bekannteste und in ganze Europa nachgeahmte Barockgarten ist der von Versailles. Ein mir seit Kindertagen bekannter Garten eifert diesem Vorbild nach, der Schloßgarten von Schwetzingen. Es sind sehr repräsentative Gartenanlagen, zu denen auch Wasserspiele, meterhohe Fontänen, geheimnisvolle Grotten, Labyrinthe und überlebensgroße Statuen antiker Götter und Göttinen gehören.

Grundlage eines solchen Gartens - auch des Rokokogartens - war eine strenge architektonische Geometrie. Das französische Parterre in dem von mir so geliebten Schloßgarten in Schwetzingen ist als riesiger Kreis gestaltet, mit auf den Mittelpunkt zu laufenden Alleen.
Symmetrie und Harmonie sind die Gestaltungsmittel dieser Gärten, beides wird auch durch die architektonisch beschnittenen Formen des Buchses ausgedrückt.

Trotz dieser adeligen Herkunft ist sich der Buchs nicht zu schade auch den kleinsten Bauerngarten zu verschönern. Man nimmt an, daß vor allem die Klöster, und hier die des Benediktinerordens, Vorbild des kreuzförmig angelegten bäuerlichen Buchsgartens waren. Hier wie dort wurde Buchs als niedrige Einfassungshecke für Wege und Beete gepflanzt, hat aber auch als Arzneipflanze und Solitär am Gartenzaun eine lange Tradition.

Nach dem dreißigjährigen Krieg taten die Patrizierfamilien es dem Adel gleich und legten sich am Haus kleine Nutz- und Ziergärten mit Buchsbaumbosketten an, kleine Paradiese bürgerlicher Gartenkunst, die teilweise noch heute bewundert werden können, wie z.B. die Hesperidengärten in Nürnberg

Irgendwann, auch der Garten ist nicht gefeit gegen modische Trends, war man der geometrischen Gartenanlagen überdrüssig und so entstand im 18. Jahrhundert der Landschaftsgarten oder der Englische Garten. Hier wurde die natürliche Gras- und Waldlandschaft nachgeahmt.In Deutschland war dieser Gartenstil bis ins 20. Jahrhundert dominierend.

Buchs kam nun in ungeschnittener Form zusammen mit Eibe und Ilex als Vor- und Zwischenpflanzung, als immergrünes Wäldchen in Parks und größeren Gartenanlagen vor. Buxus sempervirens var. arborescens und B. s. 'Aureo Marginata' kann heute noch als mächtige, vier Meter hohe Baumgruppe und Einzelexemplare im Park von Sanssouci bewundert werden.

Man muß allerdings nicht ins Auslang zu reisen, um alte Buchsbäume zu sehen. Auch im Schloßpark Weinheim und im Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof (ebenfalls Weinheim) wachsen. Letzterer ist ein Mekka aller Staufenfreunde aus der Gegend nicht nur Buchs betreffend.

Vom Ende des 19. Jahrhunderts an fristete der Buchs sein Dasein mehr oder weniger ausschließlich als immergrüne Friedhofspflanze. Einzelgräber wurden durch einen Rahmen aus Eibe und vor allem eben aus Buchs zu grünen Räumen gefasst, die insgesamt einen "Totengarten" ergaben. Kein Wunder, daß die "Totenpflanze" Buchs aus dem Hausgarten verbannt wurde.

Erst nach 1980 wurde Buchs wieder interessant und Themen wie Formschnitt, Buchshecken und -einfassungen tauchten wieder in Gartenzeitschriften aus.
1993 erhielt die Baumschule Huben in Ladenburg auf der Internationalen Gartenbauausstellung je eine Gold- und Silbermedaille für ihr Buchssortiment. Andreas Huben sammelte über viele Jahre hinweg Ableger von uralten Buchsbäumen im Hermannshof, Weinheim, die die Zeit, in der sie aus der Mode waren, glücklicherweise überlebt haben.