Mitte September 2006 hatten wir die Möglichkeit, die Herrenhäuser Gärten in Hannover zu besuchen. Es war ein warmer, sonniger Herbsttag, den wir in dieser wunderbaren Anlage verbrachten.
Auf einer Gesamtfläche von 1.350.000 qm sind vier verschiedene Gärten angelegt:
der Georgengarten - ein "englischer" Landschaftsgarten mit dem Wilhelm-Busch-Museum
der Große Garten - ener der schönsten Barockgärten Deutschlands
der Berggarten - ein botanischer Schaugarten, der kleinste der vier Gärten
der Welfengarten- eine landschaftlich gestaltete Grünanlage um das ehemalige Welfenschloß
Bis auf den Welfengarten haben wir alle Gärten besucht.
|
Hintergründiges
1665 beschloß der regierende Herzog Johann Friedrich ein bäuerliches Gut westlich der alten Stadt Hannover zu seiner Sommerresidenz auszubauen, die er Herrenhausen nannte.
1666 wurde der Gärtner Michael Grosse beauftragt südlich des Schlosses einen Lustgarten anzulegen. Dies war die Geburtsstunde des Großen Gartens. Mit der Anlage der Wasserkünste wurde der französische Fontänenbauer Cadart beauftragt. 1676 fertigte er die heute noch funktionsfähige 'Große Kaskade" sowie die Glockenfontäne inmitten des Gartens. Im selben Jahr entstand nach Plänen des Augsburger Grottierers Michael Riggus die Grotte.
Im Laufe der folgenden Jahre wurden die Herrenhäuser Gärten erweitert und verbessert. So schmückt z.B. seit 1720 die 'Große Fontäne' das Zentrum des 'Nouveau Jardin', zwischen 1720 und 1723 wurde für den ständig wachsenden Bestand an Kübelpflanzen eine Orangerie gebaut und 1726 pflanzte man die 'Herrenhäuser Allee', um dem Großen Garten eine bequeme Zufahrt aus dem Stadtzentrum zu ermöglichen.
Nach dem Tode König Georgs I. wurde es still um Herrenhausen. Dieser ca. 100 Jahr andauernde Dornröschenschlaf erwies sich letztendlich als Glücksfall für die Anlage, da sie im Gegensatz zu vielen anderen Barockanlagen, die dem damaligen Geschmack folgend in Landschaftsgärten umgestaltet wurden, in ihrer barocken Form unverändert blieb.
1936 erwarb die Stadt Hannover den Großen Garten und begann mit der dringend erforderlichen Wiederherstellung der inzwischen sehr sanierungsbedürftigen Anlage. Besonders hervorzuheben sind die bei dieser Restaurierung in den Heckengärten, in welchen noch 1866 Kartoffeln wuchsen und Äpfel reiften, angelegten acht Sondergärten, die die Entwicklung der Gartenkunst von der Renaissance bis zum Rokoko vermitteln.
Während des zweiten Weltkrieges wurde Herrenhausen schwer beschädigt. 1943 wurde das Schloß durch Brandbomben völlig zerstört, ein Treppenfragment ist das einzige Überbleibsel vom Schloß, und 28 weitere Bomben beschädigten den Großen Garten schwer. Nach dem Krieg baute die hungernde Bevölkerung auf der Fläche des Großen Gartens Gemüse an.
Im Winter 1958/59 beschloß die Stadt Hannover einen Siebenjahresplan zur Instandsetzung derAnlagen. Rechtzeitig zu seinem 300 Geburtstag 1966 erstrahlte der Garten in neuer alter Pracht.
Zur Expo 2000 entstand u.a. anstelle des früheren Schloßküchengartens ein prächtiger Feigengarten und die neue Gastronomie 'Schloßküche'.
Seit 2003 wird den Besuchern des Großen Gartens ein ganz besonderes Kunstwerk präsentiert. Als eine ihrer letzten großen Arbeiten gestaltete Nike de Saint Phalle die Innenräume der Grotte um.
|