StartseiteUnterwegsHerrenhäuser Gärten HannoverGartenbautechnisches - nur für Freaks!

Ich hatte mir Herrenhausen nicht so schön und vor allem nicht so vielfältig vorgestellt. Jeder der drei von uns besuchten Hauptgärten ist eine Kostbarkeit und eine Besonderheit für sich. Absoluter Glanzpunkt und Höhepunkt ist natürlich der Große Garten. Es war ein Erlebnis der besonderen Art, für mich als leidenschaftliche Gärtnerin und auch für meinen Begleiter, der nicht so die große Ahnung von "Gartenbau und Viehzucht" hat.

Noch etwas gartenbautechnisches zum Großen Garten, vorallem zu den Formschnittgehölzen:

Unterwegs hatte ich mich immer wieder gefragt, wieviele Gärtner wohl wie lange und wie oft damit beschäftigt sind, diese ganzen Buchs- Hainbuchen und anderen Hecken, die Buchsbordüren und -Arabesken zu pflegen und zu schneiden. Außerdem müssen die vielen Einjährigen und überwinterte Exoten herangezogen und ausgepflanzt werden. Die Kübel müssen bepflanzt werden und vor allem im Sommer regelmäßig gedüngt und gewässert werden.

Es ist jedem Gartenfreund beim Besuch der Anlage sehr schnell klar, daß die Anzahl der Pflanzenarten und -sorten eigentlich sehr begrenzt ist. Die Pflanze an sich ist nur von untergeordneter Bedeutung. Sie dient nur dazu, die streng formalen, wahrscheinlich mathematisch berechneten Formen die einen nach den strengen Maßstäben des Barocks gestalteten Garten ausmachen, zu erfüllen. Deshalb sind wahrscheinlich Buchs, Hainbuchen, Linde und Rasen die hauptsächlich verwendeten Pflanzen. Nur sie vertragen es über eine längere Zeit immer wieder in Würfel, Pyramiden, Kugeln und Arabesken (Buchs), langgestreckte Hecken und Heckenkabinette (Hainbuche) und Lindenstücke geschnitten und geformt zu werden. Von allen Pflanzen hält es auch nur der Rasen aus, immer und immer wieder auf eine Höhe getrimmt und von vielen tausend Besuchern betreten zu werden.

Einige Antworten auf meine Fragen habe ich in der an der Kasse erhältlichen sehr informativen Broschüre "Willkommen in den Herrenhäuser Gärten Hannover", mit deren Kauf wir - sehr gerne - die Arbeit der "Freunde der Herrenhäuser Gärten e.V." unterstützten. Nur eine davon:

Die Hecken des Gartens erreichen eine Länge von 20 000 m!

Ganz besonders im Orangenparterre und im Barockgarten (Sondergärten) fiel mir auf, daß auch in Herrenhausen ein seit Kurzem unter den Buchsen wütender Pilz zugeschlagen hat. Viele Pflanzen waren geschädigt und vertrocknet, was aber auch auf die für diesen Sommer ungewöhnliche lange Hitzeperiode zurück zu führen sein kann.

Einige Parterres bestanden nicht mehr aus Buchs, meistens war es wohl "Blauer Heinz", sondern einer ebenso streng beschnittenen und anscheinend sehr kleinwüchsigen Scheinzypressen- oder Lebensbaumart. Aber wahrscheinlich auch nicht die ideale Lösung. Die Pflanzen waren teilweise, wie das bei Scheinzypressen nun mal oft der Fall ist, innen verkahlt. Auch farblich treffen sie bei weitem nicht so sehr meinen Geschmack, aber das ist eine rein subjektive Aussage.