StartseiteRosenAlte Rosen IRosa muscosa

Moosrosen (muscosa) sind Mutationen von Zentifolien, die an ihren Kelchblättern, bei einigen auch etwas weiter unter dem Blütenstiel und teilweise auch an den Trieben, moosartige Auswüchse entwickelt haben.
Wann diese merkwürdige Erscheinung zum ersten Mal auftrat, weiß man nicht. Mehreren franzöischen Quellen zufolge existierte eine solche Rose bereits 1696 in Carcassone/Frankreich. Ein gewisser Feard Ducastrel soll sie ein halbes Jahrhundert zuvor dorthin gebracht haben.
In England wurde eine Moosrose erstmals 1724 in einem Katalog aufgeführt.

Die meisten Moosrosen wurden von etwa 1850 bis 1870 gezüchtet. Bei diesen Rosen sehen wir zum ersten Mal, wie sich die Modernen Rosen, bei einigen ist die Abstammung von China-Rosen sehr deutlich, in die Familie der Alten Rosen einschleichen.
Moosrosen sind die Rosen des Biedermeiers und der viktorianischen Zeit Englands. Wahrscheinlich hätte keine andere Zeit sie so begeistert aufgenommen.

Bei den Moosrosen ist der Kelch mit charakteristischem 'Moos' bedeckt und die Blüten haben einen balsamischen Duft. Das Laub hat sieben Fiederblättchen. Auch die Blätter duften, wenn man sie zwischen den Fingern zerreibt. Es sind sehr robuste Rosen.

Rosa centifoloa muscosa 'Rubra'

Dies ist die dunklere Variante der Rosa centifolia muscosa, dem ursprünglichen Sport von Rosa centifolia. Sie hat größere Blätter und stachligere Triebe als Rosa centifolia und ist sehr stark bemoost. Kugelige dunkelrosa Blüten, deren Duft am besten zur Geltung kommt, wenn das Moos etwas zerdrückt wird - eine köstliche Mischung aus Zentifolienduft und Balsam

Herkunft: wahrscheinlich Frankreich, vor 1700
Höhe: ca 150 cm.

William Lobb

Meine Kampfrose, dickköpfig und stur.
Gekauft habe ich sie aufgrund der Beschreibung der Blüten: 'Die Blüte haben ein wunderschönes Karmesinpurpur, das sich in Lavendel und schließlich fast in Grau verwandelt, die Unterseiten der Blütenblätter sind hell magentafarben. Sie erscheinen in großen Büscheln, sind üppig bemoost und intensiv duftend" (aus 'Alte Rosen & Englische Rosen' von David Austin).



Soweit stimmt auch alles, es sind traumhafte Blüten in einer absoluten Lieblingsfarbe von mir. Auf den Fotos wirken sie heller als sie in Wirklichkeit sind. In meiner Begeisterung über die wunderbare Farbe habe ich leider nicht weitergelesen, da steht:
"Ein hoher und starkwüchsiger Strauch von ziemlich spärlichem Wuchs, 180 bis 240 cm hoch mit stacheligen Trieben und bleigrünem Laub (....) Die Rose eignet sich ideal als Hintergrund einer Rabatte, sie überragt dann die niedrigeren Sträcuher, die wiederum den unansehnlichen Wuchs (stimmt leider haargenau) verdecken. Graham Thomas regt an, sie in andere Sträucher hineinwachsen zu lassen (hätte ich nur!), was sehr gefällige Farbwirkungen ergeben kann."

Hätte ich nur weitergelesen!
Mein 'William' wächst an einem Holzpfosten an hervorgehobener Stelle am Hauptweg in den Garten. Und sie denkt nicht daran, sich mit dem ihr zugewiesenen Pfosten zu begnügen. Nein, sie schickt ihre langen und dicken Triebe in Richtung Weg, um jeden der an ihr vorbei geht in den Genuß ihre vielen starken spitzen Stacheln kommen zu lassen. Egal, wie oft ich ihre Triebe zurückschneide, egal, wie oft ich sie anbinde - sie klettert ganz gerne - irgendwann habe ich einen Trieb am Kopf und es blutet mal wieder. Neulich hat sie mir beim unbedachten Vorbeigehen die Lippe aufgerissen.

Eine der absoluten Koryphäen auf dem Gebiet der Alten Rosen, Peter Beales, beschreibt eine mir völlig unbekannte 'William Lobb' :
'Die große überhängende Sorte wird wohl am besten als Kletterrose verwendet, sie kann bis zu 3 m hoch werden. Ihre duftenden, halbgefüllten, lockeren Blüten öffnen sich zu einem Cocktail von Purpurrot, Lila, Grau und silber überhauchtes Rosa - der allgemeine Farbeindruck mit etwas Abstand ist Magentarot.

Das Moos dieser Rose ist nicht sonderlich dick, dafür aber angenehm weich und in einem rosa schimmernden Grün gehalten. Auch die gräulich grünen Blätter sind von eher weicher Beschaffenheit. 'William Lobb' zählt zu den beliebtesten Moosrosen, und ich werde an einem Rankgerüst oder einer Mauer in meinem Garten immer einen Platz für sie finden".

Soweit Peter Beales, dessen Buch 'Rosen - meine Leidenschaft' ein wunderbares Buch nicht nur über Historische Rosen ist. Ich las staunend was er über 'William Lobb' schrieb und überlegte mir, ob ich es meinem 'William' mal vorlesen sollte. Vielleicht habe ich einfach nur ein sehr eigensinniges Exemplar in meinem Garten, das trotz allem Ungemach wegen der einfach wunderschönen Blüten eine Rose ist, die ich nicht mehr missen möchte.